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1928 wurde die Villa Aurora in den Hügeln von Pacific Palisades erbaut. Vorbild war ein spanisches Schloss, das der Bauunternehmer Arthur A. Weber nahe Sevilla gesehen hatte. Für sein amerikanisches Schloss brachte er das Holz für die Decken und einen Springbrunnen für die Terrasse aus Europa mit. Nach dem Bankrott des Bauunternehmers wenige Jahre später stand die Villa Aurora leer und verfiel langsam. Niemand wollte auf diesen steilen, bewaldeten Hügel fernab der Stadt Los Angeles, ohne Schulen, Läden oder Ärzte, vor allem zu Zeiten der Rationierung des Benzins.

Als Marta und Lion Feuchtwanger nach ihrer Flucht aus Europa die USA erreichten, kamen sie über New York nach Los Angeles und suchten ein passendes Wohnhaus. Die Landschaft der Palisades erinnerte sie an Italien und die Villa Aurora gefiel ihnen, obwohl alle Fensterscheiben zerbrochen waren, dichte Spinnweben im Keller hingen und der Garten komplett zugewuchert war. Lion hatte gerade seinen Roman „Die Brüder Lautensack“ an die Zeitschrift Colliers verkauft und konnte das Haus für diese 9000 $ erwerben. Für Möbel reichte das Geld vorerst nicht: Marta und Lion schliefen auf Schlafsäcken im Garten. Ein Nachbar, der Lions Bücher bewunderte, schickte einen Arbeiter, der Marta half, den Dreck, die toten Eidechsen und Mäuse wegzuschaufeln.

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© Feuchtwanger Memorial Library / USC

Lion verdiente durch den Verkauf von Büchern und Filmrechten gut und so konnten die Feuchtwangers nach und nach das Haus mit antiken Möbeln aus Second-Hand-Läden einrichten. Sie kauften einem persischen Prinzen, der weiter oben am Hügel wohnte, einen großen Orientteppich ab, legten Pfade den Hügel hinunter zum Meer an und bauten Brücken über die Schluchten. Bald konnten sich beide ohne finanzielle Sorgen ihren Interessen widmen: Marta kaufte Bäume und Lion stöberte seltene Bücher auf und legte sich eine neue, seine dritte und letzte, Bibliothek an.

Schnell wurde die Villa Aurora zum „wahren Schloss am Meer“, so Thomas Mann. Das Haus war Treffpunkt der deutschen Emigranten und ihrer amerikanischen Freunde. Zu Lese- und Musikabenden, Feiern und Streitgesprächen kamen Thomas und Heinrich Mann, Bertolt Brecht, Franz und Alma Werfel, Alfred Döblin, Ludwig Marcuse, Bruno Frank, Albert Einstein, Arnold Schönberg, Kurt Weill, Hanns Eisler, Fritz Lang, Charly Chaplin. Thomas Mann und Bertolt Brecht allerdings konnten nie zusammen eingeladen werden, da sie sich nicht mochten.

Nach dem Tod von Lion Feuchtwanger im Jahr 1958 behielt Marta dieses Leben bei. Ihr sehnlichster Wunsch war es, die Villa Aurora als Ort der Erinnerung an Lion Feuchtwanger zu erhalten. Aus finanziellen Überlegungen (die Tantiemen flossen nicht mehr so reichlich wie in früheren Jahren) übertrug Marta ein Jahr nach Lions Tod die Villa Aurora und Lions Bibliothek der University of Southern California. Die übernahm die laufenden Kosten, schickte in späteren Jahren regelmäßig einen Gärtner und erbte schließlich das Haus, als Marta Feuchtwanger am 25. Oktober 1987 mit 96 Jahren verstarb.

Es drohte der Verkauf der baufällig gewordenen Villa. Der Journalist und Feuchtwanger-Biograph Volker Skierka regte auf Bitten von Prof. Harold von Hofe und Ludwig Marcuse eine Initiative zur Rettung der Villa an. Er wurde von zahlreichen Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens sowie den Medien unterstützt. Der damalige Rowohlt-Verleger Michael Naumann, der Kulturjournalist Fritz J. Raddatz und der Bundestagsabgeordnete Freimut Duve brachten das Ziel der Initiative auf die Formel, mit der Villa Aurora eine Art „Villa Massimo am Pazifik“ zu begründen.

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© Feuchtwanger Memorial Library / USC

 

In Berlin engagierte sich die Pressestiftung Der Tagesspiegel gleichfalls für den Erhalt der Villa. Als letztes und einzig verfügbares Kulturdenkmal des Exils sollte sie dem Ausland und der Nachwelt signalisieren, dass die unter dem Naziregime vertriebenen Emigranten als Teil der deutschen Kultur verstanden wurden.

1988 vereinigten sich beide Initiativen zum „Kreis der Freunde und Förderer der Villa Aurora e.V.” mit Sitz in Berlin. 1990 konnte der Verein unter dem Vorsitz des Rechtsanwaltes Lothar C. Poll und seiner Nachfolgerin, Marianne Heuwagen, die Marta Feuchtwanger noch persönlich gekannt hatte, das Haus mit Hilfe der Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin  kaufen und – mit Unterstützung des Auswärtigen Amtes – in seiner ursprünglichen Gestalt restaurieren lassen.

Die überaus komplizierte und aufwändige Renovierung des Gebäudes durch den Architekten Frank Dimster wurde 1996 von der Stadt Los Angeles ausgezeichnet. Frank Dimster, Banatdeutscher aus Rumänien und Professor für Architektur an der University of Southern California, der auch das Freeman-Haus des Architekten Frank Lloyd Wright in Los Angeles renoviert hatte, erhielt im gleichen Jahr das Bundesverdienstkreuz.

Heute steht die Villa Aurora unter Denkmalschutz. Aus der umfangreichen Feuchtwanger-Bibliothek verblieben 22.000 Bände als Dauerleihgabe der USC in der Villa Aurora. Die restlichen besonders wertvollen 8000 Bände bilden in der USC die Feuchtwanger Memorial Library.

Am 1. Dezember 1995 schließlich wurde die Villa Aurora als internationale Begegnungsstätte für Künstler eröffnet. Doch schon vorher beherbergte die Villa Aurora einen prominenten Gast: Heiner Müller. Er war Anfang 1995 Gast im Getty Center in Santa Monica und mit seiner Unterbringung dort unzufrieden. So lebte und arbeitete er in der Villa, die um ihn herum noch eingerichtet und möbliert wurde.

 



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