Kategorie-Archiv: Serendipity

Villa Fellows | Wo bringen die mich hin?

Wo bringen die mich hin?


Vor etwa einem Jahr haben wir einige Fellows vor unsere Kamera gezerrt und mal gefragt, was ihnen die Zeit in LA eigentlich gebracht hat. Hier ist der erste Ausschnitt:

mit Felicitas Hoppe, Elfi Mikesch, Dr. Leonid Khasin, Via Lewandowsky, Philipp Lachenmann, RP Kahl, Jan Brandt (in der Reihenfolge des Auftritts)

Reinhard Dinkelmeyer | Die ersten Tage der Villa Aurora

Die ersten Tage der Villa Aurora


Die Villa Aurora während ihrer Sanierung in den frühen 90er Jahren | © Villa Aurora
Die Villa Aurora während ihrer Sanierung in den frühen 90er Jahren | © Villa Aurora

Reinhard Dinkelmeyer war viele Jahre Leiter des Goethe-Instituts Los Angeles und maßgeblich an der Bewahrung der Villa Aurora als Kulturdenkmal des deutschen Exils beteiligt. In seinem Beitrag zu MAPPING LA erinnert er sich ihrer ersten Tage.

von Reinhard Dinkelmeyer

Manche Lebensläufe beginnen schon lange vor dem Geburtsdatum. Das trifft auch auf die Villa Aurora zu, die in diesen Tagen ein 20-jähriges Jubiläum feiert. Wir wollen hier nicht zum Jahr 1943 zurückgehen, als Lion und Marta Feuchtwanger die Villa in Pacific Palisades kauften und auch die denkwürdigen Abende in der Feuchtwanger-Villa, an denen sich die viele Repräsentanten des “deutschen Exils an der Westküste” dort trafen, sind hinreichend beschrieben. Die Morgenröte für das zweite Leben der Villa Aurora begann 1987 bei der Trauerfeier für Marta Feuchtwanger in der USC (University of Southern California) zu leuchten.

Der literarische Nachlassverwalter Lion Feuchtwangers, der
Germanist Harold van Hofe kam Ende Oktober 1987 zu mir und bat um einen Zuschuss des Goethe-Instituts Los Angeles für eine würdige Ausgestaltung der Trauerfeier. Bei dieser Gelegenheit informierte er mich, der ich erst wenige Monate vorher die Leitung des Instituts übernommen hatte, über die nach Martas Tod entstandene Situation.

Der Patio der Villa während ihres Sanierungsarbeiten. © Villa Aurora
Der Patio der Villa während ihrer Sanierungsarbeiten. © Villa Aurora

Die Feuchtwangers hatten gegen die Zahlung einer Leibrente ihr Anwesen der Universität vermacht. Allerdings hatte die Universität in downtown Los Angeles keine sinnvolle Verwendung für das weit entfernte Gebäude in Pacific Palisades, sondern plante den Bau eines Feuchtwanger- Flügels an der Universitätsbibliothek, wo die wertvolle Büchersammlung und andere Memorabilia Platz finden sollten. Das Feuchtwanger-Haus sollte verkauft werden.

Prof. van Hofe machte mir sehr eindringlich klar, dass damit praktisch das letzte authentische Denkmal aus der Zeit des Exils in Los Angeles verschwinden würde, denn das Thomas Mann Haus, die Brecht-Wohnung und viele andere mehr oder weniger bescheidene Behausungen der vielen europäischen Künstler und Intellektuellen, die in der Stadt der Engel Asyl gefunden hatten, hatten längst andere Besitzer, waren umgebaut worden und außer der Adresse erinnerte nichts mehr an die früheren Bewohner. Mir war klar, dass hier schnell gehandelt werden musste, um der Villa Aurora ein ähnliches Schicksal zu ersparen. Zum Glück verstand auch Botschafter Jürgen Ruhfus in Washington, dass es sich hier um einen “Kairos” , eine glückliche Gelegenheit für die deutsche Erinnerungskultur im Rahmen der deutsch-amerikanischen Beziehungen handelte. Er sagte spontan zu, kurzfristig zu der Trauerfeier nach Los Angeles zu kommen und betonte in seinem Grußwort, dass dieses Haus, stellvertretend für viele andere Orte, an die Schmerzlichkeit des Vertriebenseins und an die Generosität des Aufgenommenwerdens erinnere und deshalb auch in Zukunft ein Erinnerungsort bleiben sollte. Anschließend machte auch ich in meinem Beitrag deutlich, dass es uns Deutschen nicht gleichgültig sein dürfe, was mit der Villa Aurora als letztem authentischen Monument aus jener Zeit künftig geschehen sollte. Ich sah, wie der Chief-Librarian und der President der USC, die in der ersten Reihe saßen, etwas irritiert aufblickten, als ich sagte, die Bundesrepublik Deutschland sollte alles daransetzen, die Villa Aurora in ihrem Originalzustand zu erhalten.

© Villa Aurora
© Villa Aurora

Am nächsten Morgen hatten wir einen Gesprächstermin bei President und Chief-Librarian und Botschafter Ruhfus bekräftigte noch einmal, dass durchaus ein Interesse der Bundesrepublik Deutschland am Erhalt der Feuchtwanger-Villa bestünde.
Als faires Ergebnis dieses Gesprächs räumte die USC der deutschen Seite eine Frist von einem Jahr ein, um den Kaufpreis für das Anwesen aufzubringen. Das war bereits ein erster Schritt in die richtige Richtung.

Ein weiterer glücklicher Umstand bestand darin, dass sich zu dieser Zeit gerade einige wichtige Vertreter der Berliner Kulturszene in Los Angeles aufhielten. Es gelang mir, fast alle ebenfalls zu der Trauerfeier einzuladen. Die meisten haben sich dann in Berlin, der Partnerstadt von Los Angeles, weiter für die Erhaltung der Villa eingesetzt. So wurde zum Beispiel Lothar Poll, damals Mitherausgeber des Tagesspiegels, nach seiner Rückkehr nach Berlin Mitbegründer und erster Vorsitzender des Fördervereins.
Natürlich war damit die Rettung der Villa Aurora noch längst nicht “in trockenen Tüchern”, aber die Folge von glücklichen Koinzidenzen setzte sich fort. Die Berichte aus Los Angeles und Washington fanden im Auswärtigen Amt offene Ohren und wurden von dort nachhaltig unterstützt. Inzwischen ist die Villa Aurora in Bundeseigentum übergegangen, manche nennen sie heute in einem Atemzug mit der Villa Massimo in Rom. Im”Kreis der Freunde und Förderer der Villa Aurora” finden sich viele, die mit Engagement und Fantasie zum Erfolg der Rettungsaktion und zur Gestaltung des Konzepts für die Nutzung der Villa beigetragen haben.

Es war eine sehr lebendige, manchmal turbulente, stets intensive Phase, die dem offiziellen Geburtsdatum zum zweiten Leben der Villa Aurora vorausging. Schließlich hat jede Geschichte eine Vorgeschichte. Das Ergebnis von beiden zusammen ist Anlass genug, das 20 jährige Jubiläum fröhlich zu feiern. Die derzeitigen Hauptakteure in Berlin und Los Angeles, Annette Rupp und Margit Kleinmann sind schließlich ein weiterer Glücksfall in der Reihe der glücklichen Momente auf dem Weg zu diesem Jubiläum der Villa Aurora. Dieser “Kairos” hätte auch Lion Feuchtwanger gefallen.
Herzlichen Glückwunsch!

Reinhard Dinkelmeyer
Rom, 16. Juni 2015

Reinhard Dinkelmeyer war viele Jahre Mitarbeiter des Goethe-Instituts. Von 1968 bis 1974 Mitarbeiter an den Goethe-Instituten Khartoum und New Delhi,
ab 1974 Leiter der Goethe-Institute Nairobi, Rotterdam, Los Angeles (1986 – 1991), Mannheim, Kyoto/Osaka und Neapel. Dinkelmeyer lebt heute in Rom.

 

 

Matl Findel | People I met on my 40th birthday

People I met on my 40th birthday


People I met on my 40th birthday © Matl Findel

Im Frühjahr 2001 hielt sich der Filmemacher Matl Findel in der Villa Aurora auf. An seinem 40. Geburtstag machte er sich selbst ein Geschenk.

von Matl Findel

Bei meinem Aufenthalt 2001 sind mir die Obdachlosen aufgefallen, die einen eigenständigen und respektablen Eindruck auf mich gemacht haben. Ich wollte sie gern fotografieren, als Freimeilen-Helden. Der Vorgang sollte aber nichts mit Geld zu tun haben. Zum Glück ist mir eingefallen, dass ja mein 40. Geburtstag ansteht und ich sie an diesem Tag um ein Geschenk bitten könnte, nämlich ein Foto von ihnen, das ich gleich aufnehme.

Am 14. März zog ich in aller Frühe los. Und weil es von Anfang an so gut geklappt hat und nie einer gezweifelt oder sich meinen Ausweis hat zeigen lassen, habe ich überhaupt jeden angesprochen, dem ich an diesem Tag begegnet bin.

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Matl FindelMatl Findel, geb. 1961 im Allgäu, Filmemacher, von Jan.-März 2001 in der Villa

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